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Inneren Frieden in einer lauten, irren Welt?

  • Autorenbild: Evelyn Bierbach
    Evelyn Bierbach
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Minneapolis, Ukraine, Klima oder Iran. Im Außen nehmen die unfassbaren Nachrichten zu, im Innen wirken sie, erschöpfen uns, machen uns sprachlos oder traurig. Wie kann es da sein, dass ich inneren Frieden anstreben statt mich all dem entgegen zu setzen? Oder sollte der Gedanke eher sein - gerade jetzt, schöpferische Kraft aus der Ruhe, aus innerem Frieden? Wie so oft ist die Welt ambivalent und gibt es ein Sowohl Als-Auch. 

Als ich vor Jahren zu einer Woche der achtsamen Wirtschaft mit Kai Romhardt und einem buddhistischen Orden (von Thích Nhất Hạnh) zu Gange war, erinnere ich mich, dass ich laut „Nein!“ sagte, als die Nonne in ihrer angeleiteten Meditation sagte, dass "immer jetzt der beste Moment deines Lebens ist“. Nein! Wenn ich eine Mutter bin, deren Kind im Krieg gerade sein Leben verloren hat, ist das mit Sicherheit nicht der beste Moment meines Lebens. Das war aus aktuellem Anlass mein Beispiel-Argument. Sie lies sich tatsächlich auf ein Gespräch ein. Ich meine immer noch, wir dürfen uns nicht im spirituellen Wegschauen und Pseudo-Wohlfühlen verlieren, wir müssen hinschauen und dürfen Wut oder Angst haben. Ja, es darf ein „Es ist wie es ist“ sein, ein Annehmen, aber kein Hinnehmen, wenn Dinge furchtbar oder zerstörend sind. Aber worin ich ihr heute noch Recht geben muss, ist die Tatsache, dass, wenn ich mich in der Wut oder Angst verliere und soweit schwäche, dass ich nicht mehr hilfreich für die Welt, meine Mitmenschen oder mich da sein kann, wenn ich daran erkranke, dann ist niemandem geholfen. 

Also, wo ist sie, die Balance? In beidem. Im mutigen Hinfühlen, was diese Welt mit mir macht. Im dosierten Hinschauen. Im Mitgefühl mit anderen. Im Selbstmitgefühl mit mir. In der klaren Distanzierung zu manchem Verhalten und im liebenden Verbundensein mit allen Lebewesen. Auch mit mir. Immer mal wieder den Scheinwerfer auch nach innen zu richten. Wie geht es mir gerade? Was kann ich Gutes für mich tun? Wie kann ich dem eigenen inneren Kritiker sanft sagen, dass er auch wichtig ist, aber nicht sooft so laut sein muss? Kristin Neff, Associate Professor for Pedagogical Psychology an der University of Texas, hat sich diesem Thema in ihrer Forschung seit mehr als 15 Jahren gewidmet und drei Kernkompetenzen für die, für die Gesundheit so wichtige, Fähigkeit zum Selbstmitgefühl herausgefunden: Achtsamkeit, Selbstfreundlichkeit und geteilte Menschlichkeit. Achtsamkeit kennen wir als Hauptkonzept im Yoga, als die Fähigkeit ganz im Hier und Jetzt zu sein . Selbstfreundlichkeit ist die Idee, mit sich im inneren Dialog, wenn einmal etwas nicht so klappt eher zu denken „Ich hadere und schimpfe nicht mit mir, so viel anderes klappte gut.“ Aber was ist mit „geteilter Menschlichkeit“ gemeint? Gemeint ist, dass unser Leid, unser Missgeschick, unser Schmerz nicht nur uns alleine widerfährt. Überall in der Welt gibt es Menschen, die genau jetzt das Gleiche oder ähnliches Leid erfahren. So entsteht Verbundenheit in einer Welt, die uns oft trennen will. Ja, Selbstmitgefühl und Selbstliebe können ein Antidot sein, können uns in der Balance halten, uns Kraft und Verbundenheit schenken. Dafür lohnt es sich, dies weiter zu kultivieren. 

„Mit Selbstmitgefühl schenken wir uns selbst die gleiche Güte und Fürsorge, die wir auch einem guten Freund oder einer guten Freundin schenken würden.“ Kristin Neff. 


 
 
 

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